Ausblick auf die Gesamtwirtschaft
Die weltwirtschaftlichen Perspektiven für das Jahr 2026 haben sich gegenüber der Frühjahrsprognose nur geringfügig abgeschwächt. Für das laufende Jahr wird ein globales Wachstum der Weltwirtschaft in Höhe von 3,0 % erwartet. Die Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) basiert dabei auf der Annahme einer Normalisierung der Lage im Nahen Osten. Die Belastungen aus dem Irankrieg werden teilweise durch die beschleunigte Dynamik der weltweiten Technologieindustrie ausgeglichen. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) sowie deren zunehmende wirtschaftliche Nutzung.
Die Risiken für den Ausblick sind nach Einschätzung des IWF ausgewogener als noch im April, bleiben jedoch insgesamt abwärtsgerichtet. Die größte Unsicherheit geht weiterhin von einer erneuten Eskalation des Konflikts im Nahen Osten aus. Diese könnte die Volatilität an den Rohstoffmärkten verlängern, Lieferketten zusätzlich belasten, den Preisauftrieb verstärken und die Finanzierungsbedingungen verschlechtern. Belastend könnten darüber hinaus eine zunehmende Fragmentierung des Welthandels sowie eine Korrektur der derzeit hohen Erwartungen an technologiegetriebenes Wachstum wirken. Hinzu kommt, dass die wirtschaftspolitischen Handlungsspielräume vieler Staaten infolge hoher Verschuldung und vorausgegangener Krisenmaßnahmen begrenzt sind und negative Entwicklungen sich dadurch zusätzlich verstärken könnten.
Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung ergeben sich aus einer rascheren Normalisierung der Energiemärkte, höheren Technologieinvestitionen, sinkenden Handelsbarrieren infolge einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit sowie Strukturreformen, die das mittelfristige Wachstum stärken könnten.
Für den Welthandel erwartet der IWF im Jahr 2026 eine spürbare Abschwächung der Dynamik. Nach einem Wachstum von 5,0 % im Vorjahr dürfte das weltweite Handelsvolumen lediglich um 3,5 % zulegen. Ursächlich hierfür sind neben Vorzieheffekten im internationalen Handel die Auswirkungen bestehender Zölle sowie die fortschreitende Neuordnung globaler Handels- und Lieferketten.
Die Entwicklung der fortgeschrittenen Volkswirtschaften dürfte im weiteren Jahresverlauf unterschiedlich ausfallen. Während Nettoenergieexporteure von höheren Energiepreisen und günstigen Terms-of-Trade-Effekten profitieren, stehen Nettoenergieimporteure weiterhin unter Druck. Ausnahme bilden Volkswirtschaften, die in besonderem Maße von technologiegetriebenen Wachstumsimpulsen profitieren.
Für die USA rechnet der IWF unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 % im Prognosezeitraum. Gestützt wird die Entwicklung insbesondere von robusten Unternehmensinvestitionen im Technologiesektor sowie weiterhin vergleichsweise günstige Finanzierungsbedingungen. Für den Euroraum erwarten die Experten hingegen eine Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik. Mit 0,9 % liegt die Wachstumsprognose für 2026 um 0,2 Prozentpunkte unter dem Ausblick vom April. Ausschlaggebend hierfür sind die Belastungen durch höhere Energiepreise, ein verhaltenes Konsumklima sowie die schwache wirtschaftliche Entwicklung in Teilen des Euroraums. Auch für Deutschland zeigt sich der IWF zurückhaltender und erwartet für das Jahr 2026 ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum von 0,7 %. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als noch im Frühjahr prognostiziert.
Wachstumserwartung in % |
|
Januar |
|
April |
|
Juli |
|||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Welt |
|
3,3 |
|
3,1 |
|
3,0 |
|||
Fortgeschrittene Volkswirtschaften |
|
1,8 |
|
1,8 |
|
1,7 |
|||
USA |
|
2,4 |
|
2,3 |
|
2,3 |
|||
Euroraum |
|
1,3 |
|
1,1 |
|
0,9 |
|||
Deutschland |
|
1,1 |
|
0,8 |
|
0,7 |
|||
Aufstrebende Volkswirtschaften |
|
4,2 |
|
3,9 |
|
3,8 |
|||
China |
|
4,5 |
|
4,4 |
|
4,6 |
|||
Mittel- und Osteuropa (aufstrebende europäische Volkswirtschaften) |
|
2,3 |
|
2,0 |
|
1,9 |
|||
Russland |
|
0,8 |
|
1,1 |
|
1,1 |
|||
Welthandel |
|
2,6 |
|
2,8 |
|
3,5 |
|||
|
|||||||||